Wasserstoff-Lkw erobern Schweizer Strassen

    Hyundai betreibt in der Schweiz die weltweit erste Nutzfahrzeug- Flotte mit Wasserstoff. Die Ausbaupläne sind ehrgeizig.

    Bilder: Hyundai

    Die Erfolgsmeldung datiert von Anfang Juli: Zu diesem Zeitpunkt erreichten die Hyundai XCIENT Fuel Cell Trucks auf Schweizer Strassen den Meilenstein von einer Million Kilometern. Dadurch konnten im Vergleich mit einem Diesel-Lkw 631 Tonnen CO2 eingespart werden.

    Das Pionierprojekt startete im letzten Oktober. Die Hyundai-Nutzfahrzeugflotte ist weltweit die erste, die serienmässig mit Wasserstoff- Elektroantrieb unterwegs ist. 25 Transport- und Logistikunternehmen setzen die 36-Tönner mittlerweile ein. Die beteiligten Firmen wollen damit «einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Strassenverkehrs und des Transportwesens leisten, mit den Vorteilen der kurzen Betankungszeit und der hohen Reichweite», teilt der Förderverein H2 Mobilität Schweiz mit. Dies mache die schweren Wasserstoff-Elektronutzfahrzeuge schon heute zu einer Alternative von Diesel-Lkws.

    1600 Fahrzeuge bis 2025
    Es ist ein erster Schritt in eine ehrgeizige Zukunft. Denn die Flotte soll rasant ausgebaut werden: Bis ins Jahr 2025 plant Hyundai die Anzahl Lastzüge von heute 46 auf 1600 zu erhöhen. Damit dies funktioniert, wird parallel dazu das Wasserstoff- Tankstellennetz in der Schweiz erweitert. Bisher gibt es acht Standorte im Land, der erste wurde im aargauischen Hunzenschwil eröff- net. An diesen Tankstellen können sowohl die Lkws wie Pkws grünen Wasserstoff (H2 Zero) beziehen. Bis 2023 soll die Schweiz flächendeckend mit H2-Tankstellen ausgestattet sein.

    Der grüne Wasserstoff wird auf der Basis von erneuerbaren Energiequellen produziert. Dabei sorgt der Strom mittels Elektrolyse für die Trennung von Wassermolekülen (H2O) in Wasserstoff (H2) und Sauer- stoff (O2). «Die höhere Verfügbar- keit von grünem Wasserstoff, der Ausbau des H2-Tankstellennetzes und der Einsatz von Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen bilden einen umweltfreundlichen Öko-Kreislauf, mit dem sich die CO2-Emissionen im Verkehrswesen reduzieren lassen», erklärt der Förderverein H2 Mobilität Schweiz.

    Bis 2023 soll die Schweiz flächendeckend mit H2-Tankstellen ausgestattet sein.

    Privatwirtschaftliche Initiative
    Hervorzuheben ist, dass es sich dabei um eine privatwirtschaftliche Initiative handelt, die auf die Innovationskraft neuer Technologien setzt und mit gutem Beispiel vorangeht. Beteiligt am neuen Schweizer H2-Elektromobilitätssystem sind verschiedene Partner:

    • Die Hydrospider AG produziert den grünen Wasserstoff hauptsächlich in einer neuen Produktionsanlage beim Alpiq- Kernkraftwerk in Gösgen. Der Wasserstoff wird ausschliesslich mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien (Wasser, Sonne, Wind) in der Schweiz hergestellt.
    • Die Hyundai Hydrogen Mobility AG importiert bis ins Jahr 2025 bis zu 1600 Brennstoffzellen-Elektro-LKW. Auf diesen Fahrzeugpark können die Transporteure und Logistiker nach dem Pay-per-Use-Prinzip zurückgreifen.
    • Die Mitglieder des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz setzen die Nutzfahrzeuge in ihren Betrieben ein und bauen die schweizweite Infrastruktur für die Betankung. Die potenten Mitglieder reichen von der AVIA Vereinigung über Coop und Migros, die Emil Frey Group, die Emmi Schweiz AG, die Transporteure Galliker und Schöni bis zu Tamoil.
    • Die H2 Energy AG schliesslich betreibt als «Business-Innovator» die zentrale Plattform für die Umsetzung des Mobilitätssystems.
    25 Transport- und Logistikunternehmen setzen die 36-Tönner mit Brennstoffzellenantrieb bereits ein. Diese haben auf Schweizer Strassen schon über eine Million Kilometer zurückgelegt.

    Vorteile für Kunden und Umwelt
    Die Vorteile der Wasserstoff-Elektromobilität liegen für den Förderverein H2 Mobilität Schweiz zusammengefasst in der lokalen Produktion, in der emissionsfreien Mobilität (Wasserdampf statt Abgase), dem leisen und effizienten Elektroantrieb, dem raschen Betanken und der hohen Reichweite. Ausserdem hat der Wasserstoff den Vorteil, dass er gespeichert werden kann.

    Das innovative Projekt verdient in der Tat Beachtung. Auf privatwirtschaftlicher Grundlage entsteht hier in der Schweiz eine echte Pionierleistung, die weltweit einzigartig ist. Sie zeigt auf, dass nicht nur batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen die Zukunft gehört.

    Neben Hyundai sind weitere Marken wie Toyota, Renault oder Mercedes-Benz (siehe Artikel) mit neuen Produkten am Start. Es tut sich was in der Branche, freiwillig und abseits der politisch vorgespurten Trampelpfade.

    Philipp Gut