«Wir möchten Nachhaltigkeit für alle zugänglich machen!»

    NIKIN – das Lenzburger Start-up feiert dieses Jahr sein fünfjähriges Jubiläum. Die beiden Gründer Nicholas Hänny und Robin Gnehm setzen mit ihrem Label für nachhaltige Mode auf langlebige und zeitlose Basics. Sie bieten Produkte zu bezahlbaren Preisen und thematisieren Nachhaltigkeit auf unseren verschiedenen Kanälen. Dabei ist Nachhaltigkeit für sie ein Weg, den es Schritt für Schritt zu beschreiten gilt. Mit ihrer täglich gelebten Nachhaltigkeits-Strategie möchten die beiden innovativen Jungunternehmer alle inspirieren, einen Bei- trag zugunsten unserer Umwelt zu leisten.

    (Bilder: zVg / NIKIN) Langlebig, zeitlos, bequem und nachhaltig: Dafür steht die Mode von NIKIN.

    NIKIN, das Label für nachhaltige Mode, ist in aller Munde. Wie ist dieser Name entstanden? Robin Gnehm: Nicholas startete bereits während seines Wirtschafts- studiums, noch bevor wir NIKIN gründeten, sein eigenes kleines Projekt. Unter dem Namen «NIKIT» entwarf und verkaufte er Gymbags, geziert vom eigenen Logo. Die be- liebten Taschen kamen bei seinen Freunden und Bekannten super an und so waren paar hundert Bags im Nu verkauft. Es dauerte nicht lange, bis eine weltweit bekannte Snowboardmarke aus Island auf ihn aufmerksam wurde und forderte, aus Markenschutzgründen nicht mehr unter diesem Namen zu produzieren. So war Nicholas gezwungen, sein boomendes Projekt vorläufig an den Nagel zu hängen. Als wir dann beschlossen, gemeinsame Sache zu machen, änderten wir einfach diesen Namen ab und merkten erst später, dass NIKIN ja eigentlich sogar eine Kombination unserer zwei Namen ist.

    Wie ist die Idee zu NIKIN entstanden? Nicholas Hänny: Wir kennen uns schon ewig, unsere Väter sind sogar jeweils Götti des anderen und des anderen Bruders. Und wir haben immer gesagt: Irgendwann starten wir ein gemeinsames Projekt. Als wir uns dann im Herbst 2016 auf ein Bier in Lenzburg trafen, war es endlich soweit und wir gründeten NIKIN. Unser erstes Produkt, das Treeanie, war innert weniger Tage ausverkauft und wir wurden von Anfragen nur so überhäuft – unsere Familien eilten zur Hilfe und stickten und verpackten Nächte lang. Dass wir mit unserem Brand mehr bewirken wollten, war uns schnell klar und so entschieden wir, pro verkauftes Produkt einen Baum zu pflanzen. Wir beide sind langjährige Pfadis und schon seit klein auf naturverbunden. So bekamen wir auch bald Feedback von Freunden, Bekannten und Familie, dass wir doch auch mit unseren Produkten einen nachhaltigeren Weg einschlagen sollten – das Treeanie war damals noch aus Acryl und kam aus China – was uns absolut einleuchtete. Seither ist Nachhaltigkeit ein riesiges Thema bei NIKIN – bei der Produktion, den Materialien und den Designs.

    Nach fünf Jahren ist NIKIN auf Erfolgskurs. Hätten Sie das gedacht und was ist Ihr Erfolgsrezept? Robin Gnehm: Niemals hätten wir uns das erträumen können! Am 22. Oktober durften wir unseren fünften Geburtstag feiern und es ist wirklich ein unglaubliches Gefühl, auf diese vergangenen Jahre zurückzuschauen, die von so vielen Highlights geprägt sind. Das verdanken wir natürlich auch unserer tollen Community und unserem Team, das täglich sein bestes für NIKIN gibt. Nicholas Hänny: Ausserdem hatten wir von Anfang an nie den Anspruch, alles perfekt machen zu wollen. Wir haben einfach mal gemacht, ausprobiert und riskiert – und tun das auch noch heute. Natürlich machten wir auch Fehler, aber daraus haben wir jedes Mal viel gelernt. Dieser Spirit hat es uns auch ermöglicht, in vielen Dingen auch ein bisschen eine Vorreiterrolle einzunehmen zum Beispiel sind wir eines der ersten Schweizer Unternehmen, das einen Vollzeit TikToker eingestellt hat.

    Sie produzieren faire und nachhaltige Mode. Was hat dabei Priorität bei der Herstellung? Nicholas Hänny: Wir legen den Fokus bei der Herstellung auf verschiedene Bereiche: Zum einen befinden sich fast alle unsere Produzenten in Europa. So konnten wir die Transportwege verkürzen und die Produzenten auch einfacher besuchen. Gerade im Oktober waren wir in Portugal und konnten Einblick in verschiedene Produktionsstätten gewinnen, das war sehr spannend. Bei den Materialien sind wir immer auf der Suche nach nachhaltigen Alternativen und arbeiten unter anderem mit Bio- Baumwolle, recyceltem Industrie- und Meeresplastik und Bambus- viskose, ausserdem sind wir GOTS zertifiziert. Aber auch unsere Designs tragen zur Nachhaltigkeit unserer Produkte bei, denn wir setzen auf langlebige und zeitlose Basics, die auch in den kommenden Jahren noch Freude bereiten.

    Was bedeutet für Sie Nachhaltig- keit? Robin Gnehm: Nachhaltigkeit ist für uns ein Prozess, respektive ein Weg, den es Schritt für Schritt zu beschreiten gilt. Oftmals haben wir das Gefühl, das sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen vor dem Thema zurückschrecken – aus Angst, sofort alles perfekt machen zu müssen. Das sehen wir anders: Wir möchten alle ermutigen und inspirieren, ihren Beitrag zu leisten, auch wenn er noch so klein ist. Natürlich ist es dabei extrem wichtig, als Unternehmen transparent zu kommunizieren, aufzuzeigen, wo noch Luft nach oben besteht und sich in einem nächsten Schritt dann zu verbessern. Luft nach oben gibt es eigentlich immer!

    Die beiden Gründer Robin Gnehm und Nicholas Hänny haben mit dem Ver- kauf ihrer Produkte mittlerweile 1,4 Millionen Bäume gepflanzt.

    Wie versuchen Sie mit Ihren Produkten eine Alternative zu Fast Fashion zu bieten, respektive wie bringen Sie die Konsumentinnen und Konsumenten dazu, auf Fast Fashion zu verzichten? Nicholas Hänny: Uns ist es ein grosses Anliegen, Nachhaltigkeit für möglichst alle zugänglich zu machen. Deshalb bieten wir unsere Produkte zu bezahlbaren Preisen an und thematisieren Nachhaltigkeit auf unseren verschiedenen Kanälen, wie unserem Blog und Social Media.

    Im Dezember 2020 haben Sie mit dem Pflanzen der Bäume die Mil- lionen-Grenze geknackt. Wie viele Bäume sind es jetzt? Nicholas Hänny: Der millionste Baum war für uns beide ein grosses Highlight in der NIKIN Geschichte. Zu diesem Anlass haben wir übrigens auch eine ca. 100-jährige Eiche adoptiert, die in Lenzburg am Fünfweiher steht. Mittlerweile sind wir bei 1.4 Millionen Bäume, das entspricht etwa einer Fläche so gross wie sieben Mal Lenzburg.

    Wie würden Sie Ihr Team beschreiben? Robin Gnehm: Als eine grosse Familie. Das mag vielleicht nach leeren Worten klingen, ist aber wirklich so. Wir haben einen unglaublichen Zusammenhalt in unserem Team, das mittlerweile aus rund 50 Festangestellten besteht. Unsere Teamevents sind jedes Mal super lustig und alle schwärmen noch Wochen danach davon.

    Nicholas Hänny: Das spürt man auch im Daily Business – wir pflegen einen sehr kollegialen, toleranten und offenen Umgang. Probleme werden angesprochen, tolle Ideen werden aufgegriffen und Meinungen ernstgenommen – und alle geben täglich Vollgas.

    Welche Produkte sind besonders im Trend? Robin Gnehm: Zu unseren Bestseller gehören nach wie vor die Treeanies aus Polylana, aber auch unsere TreeSocks und TreeHoodies sind sehr beliebt.

    Was ist charakteristisch für Ihre Produkte? Nicholas Hänny: Sie sind langlebig, zeitlos, bequem, nachhaltig und sehen cool aus!

    Welche neuen Produkte stecken gerade in der Pipeline? Robin Gnehm: Sobald die Temperaturen wieder etwas wärmer werden, launchen wir unsere Frühlingskollektion – auch da wieder tolle Basicteile für Jung und Alt.

    Haben Sie Pläne für Ihr Unternehmen? Nicholas Hänny: Wir wollen noch mehr Bäume pflanzen, noch nachhaltiger werden und noch mehr Leute inspirieren. Mit unserer Mission, die Welt «tree by tree» grüner zu machen, sind wir nie am Ziel – aber wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel. Wir sehen gerade in der Schweiz, aber auch in Deutschland, noch grosses Potenzial für die Modebranche bezüglich Nachhaltigkeit. Wir hoffen, den Markt langfristig prägen zu können.

    Was wünschen Sie sich für NIKIN? Nicholas Hänny: Wir freuen uns riesig, auf alles was die Zukunft für NIKIN bringt, vor allem auf das Un- geplante, Überraschende. Dabei wollen wir unseren Teamspirit be- wahren und zusammen unseren Beitrag für diesen Planeten leisten.

    Interview: Corinne Remund

    Die Produkte von NIKIN sind unter www.nikin.ch erhältlich.


    Sammelaktion im November

    Das Schweizer Modelabel NIKIN setzt ein Zeichen gegen exzessiven Konsum: Zusammen mit 30 Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland wehren sie sich gegen Rabattschlachten und pflanzen stattdessen Bäume, für eine grünere Welt.

    Green is the new Black – unter diesem Motto startete am 1. November die Green November Aktion von NIKIN. Während des ganzen Monats sammelt das nachhaltige Kleiderbrand Spenden für Aufforstungsprojekte in der Schweiz und Deutschland. NIKIN selbst spendet pro Bestellung einen Franken und pflanzt auch in dieser Zeit mit der Partnerorganisation One Tree Planted einen Baum pro verkauftes Produkt. «Gerade in dieser Zeit, rund um den Black Friday, locken Unternehmen mit extremen Rabatten und Deals. Diesem enormen Kaufanreiz wollen wir entgegenwirken und die Leute sensibilisieren, nachhaltiger ein- zukaufen», sagt Nicholas Hänny, CEO und Co-Founder von NIKIN.