Neues Forschungsergebnis: Empfindliche Schleiereulen

Die Schleiereule sucht die Nähe des Menschen. Gleichzeitig leidet sie jedoch unter der intensiven Landwirtschaft und reagiert empfindlich auf Störungen. Das belegen Forschende der Vogelwarte Sempach und der Universität Lausanne, nachdem sie bei jungen Schleiereulen die Konzentration von Stresshormonen gemessen haben. Die Intensität der Landwirtschaft beeinflusst zudem auch das Wachstum der jungen Schleiereulen und die Anzahl Nestlinge pro Brut.

Diese jungen Schleiereulen sind beinahe ausgewachsen, werden aber noch von ihren Eltern mit Mäusen gefüttert.  (Foto © Alex Labhardt)

Diese jungen Schleiereulen sind beinahe ausgewachsen, werden aber noch von ihren Eltern mit Mäusen gefüttert.
(Foto © Alex Labhardt)

Manchen Vögeln behagt ein Leben in unmittelbarer Nähe des Menschen gar nicht. Sie brüten nur an Orten, wohin sich kaum jemand verirrt. Andere Vogelarten hingegen sind uns und unseren Aktivitäten gegenüber weniger empfindlich und profitieren sogar von uns. Zu ihnen gehört die Schleiereule, die in Scheunen und Kirchtürmen brütet und uns mit ihrem nächtlichen Kreischen schon mal gehörig erschrecken kann. Sie gilt als «Kulturfolgerin», sucht also die Nähe zum Menschen ohne aber domestiziert zu sein.

Beute nach dem Gehör orten
Die Schleiereule verlässt sich bei der Jagd nicht nur auf ihren Gesichtssinn, sondern kann in stockfinsterer Nacht ihre Beute beim leisesten Geräusch perfekt nach dem Gehör orten. Zielsicher und gespenstisch-lautlos fliegt sie selbst durch komplizierte Balkenkonstruktionen.

Sensibel auf Störungen
Forschende der Vogelwarte Sempach und der Universität Lausanne haben jetzt herausgefunden, dass junge Schleiereulen, die in Nistkästen in Scheunen aufwachsen, sensibel auf Störungen reagieren. Je höher die menschliche Aktivität in Kastennähe war, desto stärker war auch die Ausschüttung von Stresshormonen. Gleichzeitig waren die jungen Schleiereulen leichter und damit in schlechterer körperlicher Verfassung.

Schlechte körperliche Verfassung
Ebenfalls einen Einfluss hat die Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung an Orten, wo Schleiereulen Mäuse für ihre Jungen jagen. In intensiv bewirtschafteten Gebieten war die Konzentration der Stresshormone im Blut erhöht. Zudem waren die Nestlinge in einer schlechteren körperlichen Verfassung, sodass weniger von ihnen bis zum Ausfliegen überlebten, als in weniger intensiv genutzten Gebieten.

Schleiereulen helfen durch Aufhängen von Nistkästen
In der Schweiz leben ungefähr noch 1’000 Brutpaare der Schleiereule. Sie gilt damit als potenziell gefährdet. Aus den Resultaten lassen sich Empfehlungen für die Förderung der Schleiereule ableiten. Die Vogelwarte empfiehlt, Nistkästen dort aufzuhängen, wo möglichst wenig menschliche Störung stattfindet. Und die Autorin der Studie, Bettina Almasi ergänzt: «Am besten sind Orte, wo der Weg für die Schleiereulen zur nächsten Hecke nicht weit ist. Dort gibt es immer genügend Mäuse für die Jungen».

(Quelle: Vogelwarte Sempach) nico.

Weiterleiten
  • gplus
  • pinterest

Über den Autor