Naturama: Invasive Neophyten – grenzenlose Vermehrung?

Fachpersonen diskutieren am Mittwoch, 18. November 2015 um 20.00 Uhr auf dem Podium des Naturama in Aarau und mit dem Publikum aktuelle, für den Aargau relevante Naturschutz-Themen. Ein Eingangsreferat informiert das Publikum in Kürze über die wichtigsten Fakten und stimmt auf die Diskussion ein. Der anschliessende Apéro lässt den Meinungsaustausch sanft ausklingen.

Der Sommerflieder ist ein verholzender Strauch und kann über 3 Meter gross werden. Er blüht vom Juli bis September. (Bild: zVg)

Der Sommerflieder ist ein verholzender Strauch und kann über 3 Meter gross werden. Er blüht vom Juli bis September. (Bild: zVg)

Eingeschleppte Pflanzenarten überwuchern renaturierte Flussufer, vermehren sich auf Waldlichtungen, breiten sich in Magerwiesen und auf Bahngleisen aus und besetzen Siedlungsbrachen. Mit ihrem beeindruckenden Ausbreitungspotential verdrängen diese invasiven Neophyten die einheimische Flora und gefährden die Biodiversität. Mehrere Hunderttausend Franken kostet die Schadensbegrenzung den Kanton Aargau jährlich. Warum sind diese fremden Pflanzen bei uns so erfolgreich? Was braucht es, um ihre scheinbar grenzenlose Vermehrung im Zaun zu halten? Oder ist der Kampf gegen invasive Neophyten fehlgeleiteter Naturschutz und sowieso schon lange verloren? Fachpersonen diskutieren diese Fragen auf dem Podium und mit dem Publikum.

Beispiel: Buddleja oder Sommerflieder
Beschreibung: Der Sommerflieder ist ein verholzender Strauch und kann über 3 Meter gross werden. Die verzweigten Triebe enden in einer vielblütigen Rispe. Er blüht vom Juli bis September und bildet pro Strauch bis zu 3 Mio. Samen! Im Winter frieren seine Äste oft stark zurück. Das beeinträchtigt den Strauch aber kaum, da sein Strunk die Kälte in der Regel gut übersteht und im Frühling wieder neu austreibt. Ursprünglich stammt er aus China und dem Tibet. Er wird als Zierpflanze immer noch häufig verkauft und angepflanzt. Da die Blüten des Sommerflieders reichlich Nektar produzieren wird er von Schmetterlingen, verschiedenen Bienenarten und anderen Insekten gerne besucht. Seine Verbreitung findet hauptsächlich durch den Wind statt, der die leichten Samen weit mit sich trägt. Zur Keimung brauchen die Samen offene Stellen. Somit findet man den Sommerflieder hauptsächlich auf Schuttplätzen, entlang von Schienen und Strassen und im Schotter von Flüssen und Bächen.

Gefahren: Da der Sommerflieder oft in geschützten Flussauen grosse, dichte Bestände bildet, kann er dort die wertvolle auenspezifische Pflanzenwelt verdrängen. Dadurch fehlen die Futterpflanzen der Schmetterlingsraupen und der Sommerflieder wirkt sich so sogar negativ auf die Schmetterlingspopulation aus. Sonst ist er nach dem heutigen Wissensstand für Mensch und Tier ungefährlich.

Bekämpfung: Im Garten sollten die verblühten Rispen vor der Samenreife abgeschnitten und in die Kehrichtverbrennung gegeben werden. In der freien Natur kann der Sommerflieder durch Rodung beseitigt werden. Hierbei ist zu beachten, dass durch den Samenvorrat im Boden auch noch Jahre nach der Entfernung immer wieder Jungpflanzen auftreten können. Eine mehrjährige Nachkontrolle ist somit unerlässlich.

nico.

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